Der Weg ist das Ziel

Aus einer Blumenwiese wurde eine Ruheoase im Asia-Stil – mit Bachlauf, Teich und bunten Kois. Planer Reinhold Borsch über die Kunst europäisch-asiatischer Gartengestaltung.

Japanische Gärten haben es Reinhold Borsch schon immer angetan. Den Landschaftsgärtner fasziniert „die Ruhe, die sie dabei ausstrahlen“. Außerdem die perfekt inszenierte Natur mit ihrer Konzentration aufs Wesentliche. Bei den charakteristischen Fischen gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Es sind nicht nur die tollen Farben der Kois – wenn man sie eine halbe Stunde beobachtet hat, ist man danach völlig entspannt.“ Kein Wunder also, dass sein Garten- und Landschaftsbaubetrieb seit mehr als 20 Jahren auf die Gestaltung solch asiatischer Anlagen spezialisiert ist. Wobei: „Einen echten Japan-Garten möchte in Deutschland niemand haben“, so der Experte. Viel zu nüchtern und zu wenig abwechslungsreich wäre dieser Stil für Europäer – natürlich auch deshalb, weil uns der kulturelle Hintergrund dazu fehlt. Reinhold Borsch bringt es auf den Punkt: „Wir Europäer wollen den Garten nutzen, darin leben, auf der Terrasse sitzen. Das würde kein Japaner tun.“

Folglich gestaltet er eher eine Art europäische Interpretation des japanischen Originals, ohne dessen besondere Ausstrahlung zu verlieren. Am besten mit viel Wasser und sich darin tummelnden Fischen. So auch bei diesem Garten: Der gestaltete Bereich umfasst etwa 800 Quadratmeter, dahinter schließt sich eine Wiesenfläche an. Der Garten besaß bereits asiatische Stil-Elemente, etwa den Teich mit Bunten Koikarpfen. Zunächst waren größere Erdbewegungen nötig, da das Grundstück Höhenunterschiede von gut drei Metern aufwies. Auf der nun ebenen Fläche nimmt Wasser den größten Raum ein: Ein Bachlauf windet sich um die Terrasse und mündet in einem ausgedehnten Folienteich. Hier ist das Wasser bis zu zwei Meter tief, unterschiedliche Tiefenzonen gibt es nicht. Auf Sumpf- und Wasserpflanzen wurde bewusst verzichtet: „Die würden die Kois ohnehin alle fressen“, erzählt der Experte. Sein Trick: Die Uferbegrünung wurde so nah ans Wasser gesetzt, dass sie wie eine bepflanzte Flachwasserzone aussieht. Auch hinter den pflanzengesäumten Stegen verbirgt sich Planer-Raffinesse: Die Eibenkugeln sind so zurechtgestutzt, als hätten sie sich ins Holz gefressen. Für die entlang der Stege platzierten Granitfindlinge wurden die Bangkirai-Planken tatsächlich passgenau ausgesägt. Zu Holz, Stein und Wasser gesellen sich viele immergrüne Pflanzen wie Kiefern, Wacholder, Japanische Stechpalmen (Ilex crenata), Buchs- und Eibenkugeln. Rote Farbenspiele zaubert im Herbst das Laub von Fächer-Ahorn und Hartriegel. Imposante Hingucker: Drei etagenförmig geschnittene Wacholder, sogenannte Pagoden. „Sie haben keine japanische Tradition“, erklärt Reinhold Borsch, „passen aber wunderbar ins Gesamtkonzept“. Sie markieren das Ende des gestalteten Gartens. Damit Kugeln und Pagoden in Form bleiben, werden sie im Frühjahr und Spätherbst geschnitten. Im Teich übernimmt Technik die nötigen Pflegegänge: Mehrere Skimmer sammeln im Herbst fallendes Laub, eine leistungsfähige Filteranlage sorgt für anhaltend hohe Wasserqualität. Die ist auch nötig, denn mittlerweile tummeln sich 25 bis 30 der kostbaren und anspruchsvollen Koikarpfen im Wasser. Laut asiatischer Mythologie verkörpern sie Kraft, Mut und Glück – dem europäischen Betrachter zumindest schenken sie Ruhe und Ausgeglichenheit.

Steckbrief zum Wassergarten im Asia-Stil
Gartengröße insgesamt: Der gestaltete Bereich umfasst etwa 800 m²
Garten angelegt seit: 2011
Wasserfläche (Teich): ca. 100 m²
Wasser in Form von: Teich, Bachlauf
Besondere Pflanzen: keine Bepflanzung im Wasser
Besondere Tiere/Teichgäste: 25 bis 30 Koikarpfen

aus GartenFlora special Ausgabe 1/15

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2015-01-20T14:04:05+00:00 20. Januar 2015|Presseberichte|