Gärten: Ein Japaner aus Kempten

Reinhold Borsch baut japanische Gärten für die Bedürfnisse von Europäern. Was dabei herauskommt, ist zum ersten Mal an der Giardina zu sehen.

Gilt als der Meis­ter des japanischen Gartens in Europa: Reinhold Borsch.

Gilt als der Meis­ter des japanischen Gartens in Europa: Reinhold Borsch.

Einen richtig traditionellen japanischen Garten, lacht Reinhold Borsch, «habe ich erst ein einziges Mal gebaut». In der reinen Form, weiss er, möchte den in Europa kaum jemand haben. Selbst in Japan gebe es neuerdings einen Trend weg von der klas­sischen Form, hin zum europäischen Geschmack.

Wer mit Borsch über dessen Arbeit spricht, ist erst einmal verdutzt. Denn Reinhold Borsch aus Kempen am Niederrhein, 43 Jahre alt und mit einem fröhlichen Schnauzbart ausgerüstet, gilt als der Meis­ter des japanischen Gartens in Europa. Also klärt Borsch zunächst die Sache mit der Tradition: Der japa­nische Garten ist ein «Blickgarten». Zum Betrachten gedacht. Von nur wenigen Wegen durchquert, mit wenigen Elementen ausgestat­tet. Ein kühles Anschauungsobjekt.

Europäer wollen in ihren Gärten leben
Europäer jedoch wollen in ihren Gärten leben: sich setzen, sonnen, die Natur geniessen, den Grill aufbauen. Diese beiden Pole versöhnt Borsch in seinen Gärten – und weiss von seinen jährlichen Besuchen im Fernen Osten, dass auch in Nippon der Trend Richtung Europa geht: «Die jungen Japaner wollen auch etwas von ihren Gärten haben.»

Borsch stammt aus einer Gärtnerfamilie, wurde selbst Gärtner, bildete sich im Ausland weiter und baute zunächst klassische europäische Gärten.

Auf die japanische Variante kam er vor gut 20 Jahren, während einer Asienreise. Ihre Besonderheit ist die genaue Detailplanung, denn die Betrachter sollen immer neue Perspektiven entdecken können – schon wer drei Schritte weitergeht und auf dieselbe Anlage blickt, kann oft ganz neue Impressionen gewinnen.

Oasen der Ruhe
Es gibt minimalistische Zen­-Gärten, die vor allem aus Steinen bestehen und sich in ihrer zugespitzten Form gar nur aus Sand und Steinkompositionen zusammensetzen. Auf der ande­ren Seite existieren regelrechte Landschaftsgärten, die man auf Wegen, Brücken und über Inselchen durchwandelt.

Die Interpre­tation solcher Gärten ist eine Wissenschaft für sich: Oft sollen Steine Tiere symbolisieren, Kies­ oder Sandflächen stehende Gewässer bis hin zu ganzen Meeren; zum Teil werden sie mit Re­chen beharkt, damit der Eindruck gleichmässiger Wellen ent­steht. Spezielle Teegärten wiederum sol­ len dafür sorgen, dass das Teehaus zu einer Oase der Ruhe wird, abgeschieden von den Einflüssen der Aussenwelt.

Ruhe ausstrahlen – das ist auch für Rein­hold Borsch der Kern seiner Gärten. Das wichtigste Element dabei ist der Koiteich. Er habe schnell «einen Drang zum Koi» gehabt, sagt er lächelnd. Die Kois, farbige Karpfen, galten im alten Japan als Statussymbol des Reichtums und der Gesundheit. Dank ihrer Farben, ihrer Zeichnung und ihrer Grösse – sie werden bis über einen Meter lang – strahlen sie eine enorme Ruhe aus, zudem liegen sie ziemlich stoisch im Wasser. Diese Entschleunigung über­ trägt sich auf Betrachter.

Wartung inklusive
Hinzu kommen die Steinlandschaften und die «Formgehölze» – kunstvoll geschnittene, gestaltete Gehölze bis hinab zu den berühmten Bonsais. Jedes Jahr muss man diese Bäume, Sträucher und sonstigen Pflanzen nachschneiden, sonst geht die Wirkung verloren, «sogar die Azaleen sind geschnitten», sagt Borsch. Da man die wenigsten Kunden mit dieser anspruchsvollen Arbeit allein lassen kann, übernimmt Borschs Firma auch die Wartungsarbeiten.

Die Kunden sind vor allem vermögende Privatleute, Unternehmer etwa – Borsch will keine Namen nennen. Die notwendigen Investitionen verlangen schon ein gewisses finanzielles Stehvermögen: Sinn mache es ab etwa 150’000 bis 200’000 Euro anfänglicher Investition. Die Flächen der rund 40 Koi­teich­-Gärten, die Borsch bisher gebaut hat, variieren zwischen 300 und 2500 Quadratmetern.

Unterschiedliche Kosten
Die Kosten hängen einerseits von den örtlichen Gegebenheiten ab – einmal musste Borschs Firma sämtliches Material und alle Pflanzen für den neuen Garten per Kran über ein hohes Dach hieven lassen. Anderer­seits von der «Ausstattung»: Borsch erinnert sich an eine zirka 150 Jahre alte Kiefer, die er aus einer Baumschule in Japan nach Europa brachte. Mehrere zehntausend Euro kann ein solcher Baum kosten, sagt Borsch, und «ein guter Koi kommt ab 3000 zu stehen».

Und schliesslich der Interhalt einer solchen Anlage, insbesondere des Teichs: Samt Fischfutter, Strom für die zahlreichen Pumpen, Was­serfiltern und weiterem Material können sich die laufenden Kosten auf mehrere tausend Euro im Monat summieren – je nachdem, wie gross Garten und Fischteich eben sind.

Schlüsselfertig gebaut
Dafür gibt es dann aber auch ein perfekt gebautes Schmuckstück: Borsch baut schlüsselfertig, bringt seine eigenen Maurer, Elektriker, Verputzer mit, ist die meiste Zeit persönlich auf der Baustelle präsent.

Punkto Qualität gilt Borsch ohnehin als vorbildhaft; mehr­fach schon hat er bestehende Gärten und Teichanlagen, von anderen Firmen erstellt, umgebaut und optimiert. Er gibt fünf Jahre Garantie auf die Wasserqualität, die ständig kontrolliert und über ein aufwendiges Filtersystem gesichert werden muss. Borsch hat ein eigenes Filter­system, das ursprünglich aus der Abfallwirtschaft stammt, adaptiert und weiterentwickelt.

Neue Wege in der Planung
Neue Wege geht Borsch auch in der Planung. Weil ihm im Lauf der Jahre klar wurde, dass sich Kunden einen gezeichneten Plan nicht in Bildern vorstellen können, arbeitet er heute mit 3­D­Visua­ lisierungen, die das Gefühl vermitteln, «als ob man im Garten steht». Und wer anfassbare Anschauungsobjekte braucht, der kann Borschs Firma besuchen.

Auf seinem Grundstück am Ortsrand von Kempen, mit einer malerischen Altstadt gesegnet, hat Borsch einen grossen Mustergarten angelegt. Durch das grosse Einfahrtstor hin­ durch, an der Halle vorbei, wo Bagger und Radlader stehen. 3000 Quadratmeter, fast ein Viertel des Areals, belegt der Garten, der zeigt, was alles geht. Auf den weiteren Flächen hat Borsch Pflanzen und Gehölze stehen, die er auf Vorrat aus Japan kauft – hochwertige Kiefern und Ahorne, Eiben, Thujen, Kirsch­ lorbeer, Felsenbirne und viele Azaleen. Alle sind in Form geschnitten.

Mit sieben Sattelzügen reist Borsch zur Giardina 2015 an; ein «gewaltiges Projekt für unsere kleine Firma», sagt er. In Kempen beschäftigt er rund 20 Mitarbeiter, «inklusi­ve der freien». Seine Frau Sonja arbeitet im Familienbetrieb; sie leitet die Administration. Die Söhne Lukas (14) und Maximilian (4) haben mit der Berufswahl noch etwas Zeit. Borsch stellt zum ersten Mal in Zürich aus, sein Mustergarten in der Messehalle wird einen Teil seiner Handwerkskunst demonstrieren.

Ausgebucht
Wer sich für einen japanischen Garten made by Borsch entscheidet, bekommt «auf jeden Fall etwas Zeitloses», sagt der Landschaftsgestalter. Etwas, das nicht altert. Es komme «praktisch nie» vor, dass ein Kunde später einmal Änderungen wünsche. Borsch ist klar: Mit seiner Art, zu arbeiten – klein, aber fein, mit ständiger persönlicher Präsenz –, kann er nicht auf Wachstum setzen, sondern nur auf Exklusivität.

Und potenzielle Kunden müssen in der Tat ein wenig Geduld mitbringen: Borsch ist für die kommenden Monate bereits ausgebucht. Die nötige Ruhe dafür liefert später der eigene Garten mit Koiteich im Überfluss nach.

Oliver Tjaden/ Laif
aus Schweizer Ausgabe der Zeitschrift „Bilanz“
http://www.bilanz.ch/immobilien/gaerten-ein-japaner-aus-kempten-406464

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2015-02-20T08:39:57+00:00 20. Februar 2015|Presseberichte|